Traumkino in 21:9 Cinemascope... |
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... mit akustisch transparenter gebogener 3m Leinwand und Isco III |
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Heute möchten wir Ihnen einmal ein ganz besonderes Kinoprojekt vorstellen:
Zuerst sollte es nur ein neuer Projektor sein, denn der Kunde war bereits seit Jahren mit dem Thema Heimkino bestens vertraut und somit nahm ein „DreamBee“ den bis dahin angestammten Platz des ausgedienten Sony HS50 ein. Das hervorragende Bild des DreamBee, welches bei der Demo in unseren Räumlichkeiten auf Anhieb überzeugte, stimmte den Kunden jedoch zuhause etwas nachdenklich. Hier war seit Jahren eine 4:3 Rahmenleinwand mit mikroperforiertem Tuch montiert. Da musste nachgebessert werden. Der Besuch vor Ort wurde gleich mit der Vorführung eines Ikon Lautsprechersystems aus dem Hause Dali verbunden, welches auf Anhieb begeisterte und die bereits geplante Bestellung bei einem bekannten Lautsprecherversender erübrigte. Diese Vorführung galt als "Teufel"-saustreibung und somit wurde ein Heimkinomacher zum wiederholten Male zum Exorzist. :-) Da die Lautsprecher nun alle hinter der Leinwand positioniert werden sollten, wurde auch bei der Wahl der Leinwand besonders auf die klangliche Beeinflussung des verwendeten Leinwandtuches ein kritisches Auge geworfen. Hinter der Leinwand ist der perfekte Platz für die Lautsprecher in einem Heimkino, denn nur so wird Bild und Ton bestmöglich verbunden. Die Dialoge kommen nicht von der Decke, vom Boden oder aus den Ecken, sondern wirklich aus dem Mund der Schauspieler. Besser geht es nicht. Der Vorteil ist auch, dass man drei gleiche Standlautsprecher hinter der Leinwand positionieren kann und somit keine klanglichen Veränderungen wahrnehmbar sind, wenn zum Beispiel der Schauspieler während eines Dialogs durchs Bild wandert oder ein Klangeffekt (fahrendes Auto) sich von einer Seite zur anderen bewegt. Die einzelnen Lautsprecher haben alle dieselbe Abstrahlachse. Anders ist das bei einem klassischen Centerlautsprecher, der immer einen Kompromiss darstellt, da er im Normalfall ja unter oder über dem Bild positioniert werden muss und somit eine andere, meist kompaktere, Bauweise aufweist. Die Wahl bei der Leinwand fiel auf eine akustisch transparente, 3m breite "Cadre 1 curved" Leinwand im Format 21:9 aus dem Hause Davision. Davision hat sich mit seiner Cadre Leinwandserie, welche in Deutschland gefertigt werden, bereits seit Jahren einen hervorragenden Ruf unter den Heimkinofans aufgebaut. Diese hier eingesetzte Leinwand ist die erste ihrer Art von Davision. Für Sonderanfertigungen hat man hier stets ein offenes Ohr. Nach dem erfolgreichen Prototyp entschloss man sich dann auch dieses Modell in die Produktpalette aufzunehmen. Ein Dank geht hier auch an das Team von Image AG, welche die Leinwand „just in Time“ am Aufbautag persönlich anlieferten. Es handelt sich wie bereits erwähnt bei der Leinwand um eine akustisch transparente Ausführung, welche jedoch nicht wie das vorherige montierte Modell ein mikroperforiertes Tuch besitzt, sondern mit einem sehr hochwertigen, gewebten Tuch , ausgestattet ist. Mikroperforierte Tücher haben den Nachteil von Moirè- Effekten, welche auftreten können, wenn sich die Pixelstruktur des Projektors mit der Lochstruktur der Leinwand deckt. Zudem ist die klangliche Beeinflussung der dahinter montierten Lautsprecher immer schon ein bekannter Nachteil dieser Technik. Im Hochtonbereich wird das Klangbild stark bedämpft. Die Vorteile des bei Davision neu eingesetzten Tuchmaterials sind eine bessere Bildqualität ohne Moirè- Effekt und besserer Frequenzgang bei der Bedämpfung des Tons. Das Leinwandtuch besteht aus zwei aufeinander gelegten Tüchern. Das hintere schwarze Tuch bewirkt einen besseren Kontrast und mindert den Lichtaustritt an der Rückseite der Leinwand. Doch genug von so viel Technik. Lassen wir einmal ein paar Bilder sprechen - Hier sind wir nun schon mitten im Aufbau des Kinos.
Wie man auf diesem Bild erkennen kann wurde zuerst eine Holzkonstruktion vor die Dachschräge montiert, die zur Aufnahme der Leinwand dient. Links sieht man auch die Leinwand von hinten und das schwarze Tuch auf der Rückseite.
Hier ist die Leinwand nun schon montiert. Anschließend wird die Wand noch mit schwarzem Mollton geschlossen. Doch da ist noch etwas Besonderes an der Cadre Leinwand: Sie ist leicht gebogen. "Was soll das denn nun?" fragen Sie sich sicherlich. Nun, auch im großen Kino findet man so etwas. Die „Profis“ unter den Lesern werden bei dem Nachfolgenden Bild wissen, wieso das Ganze.
Auf dem Bild ist der „Rochen“ Dream Bee zu sehen, wie er durch ein „Bullauge“ sieht. Das „Bullauge“ ist eine Vorsatzlinse, bekannt unter dem Namen "ISCO III", welche auf einem eigens angefertigten Gleitschlitten montiert ist. Nun folgen ein paar Erläuterung über einen höchst interessanten Lösungsansatz:
Wie viele Leser wissen, ist bei genauerem Betrachten der DVD Sammlung der größte Teil der Kinohighlights im Format von 2,35:1, besser bekannt als "21:9 Widescreen", abgespeichert. 21:9 ist das dem menschlichen Sehen angepasste Kinoformat. Der Mensch kann in der Breite wesendlich mehr Information erfassen als in der Höhe. Ein Bild in 3m Breite und 16:9 (1,69 m Bildhöhe) kann einen „erschlagen“ aber in 21:9 mit derselben Bildbreite (1,29 m Bildhöhe) und demselben Sitzabstand wirkt das Ganze sehr angenehm. Was heißt dies in der Praxis? Man hat beim Betrachten eines 21:9 Filmes wieder die schwarzen Balken oben und unten auf der Leinwand. Da das Panel des Projektors das Format 16:9 aufweist, werden oben und unten Pixel „tot“ geschaltet. "Kein Problem" denken manche, "dann zoome ich bei einer 21:9 Leinwand das Bild einfach auf und passe es wieder in die Leinwand ein". Wenn der Zoombereich dies zulässt, ist dies auch eine Möglichkeit. Mann muss aber auch noch die Höhe anpassen und das Bild per Lensshift, welchen nicht jeder Projektor besitzt, nach oben bzw. unten „kurbeln“. Das Ganze an der Decke ist schon nicht so bedienfreundlich. Aber was ein echter Kinoliebhaber ist, scheut ja keinen Aufwand. Ein richtig maskiertes Bild sieht doch schon wieder viel besser aus. Nun überlegen wir mal was da passiert ist. Ich schalte ca. 24 % der Pixel aus. Hm, da geht jede Menge Auflösung flöten und das kostet auch Licht. Klar, zudem man die Lichtmenge ja nun auch noch auf eine wesentlich größere Fläche (33% breiter) verteilt hat. Das Bild ist nun zwar richtig auf die 21:9 Leinwand angepasst, wesentlich breiter als vorher, aber auch leider dunkler. Da muss es doch eine bessere Lösung geben. Klar, erfunden wurde diese sogar schon zu einer Zeit, als noch keiner an Pixel dachte. Bereits in den frühen 50er Jahren wurde diese Technik im Kino eingesetzt und ist heute noch in jedem Kino zu finden: Es ist der Anamophot, eine Vorsatzlinse. Was steckt hinter dieser Königslösung? Hierzu springen wir in der Zeit einmal ein halbes Jahrhundert zurück und schauen, vor welchem Problem die Filmtechniker damals standen und welche pfiffige Lösung sie sich dazu einfallen ließen: Damals, zu Anfang der 50er Jahre, konkurrierte das Kino gerade mit einer sich rasend verbreitenden neuen Technik. Es war das Fernsehen. Diese kleinen Flimmerkisten in den heimischen Stuben sorgten dafür, dass die Kinos an Zuschauerschwund litten. Man musste also das Kino wieder attraktiver machen. Ein Ansatz war der Wunsch von breitem fesselnden Filmmaterial. Das Kino sollte die kleinen Flimmerkisten in den Köpfen der Menschen förmlich erschlagen, denn welcher TV kann schon echtes Kinofeeling herforrufen? Also musste ein neues Format her. Standard war damals wie heute 35 mm Filmmaterial. 70mm wäre der Wunsch gewesen. Dies hätte aber für die breite Kinolandschaft einen sehr großen Kostenaufwand mit sich gezogen. Neue Filmkameras, Schnittplätze, Vervielfältiger und Projektoren hätten das ganze Vorhaben finanziell nicht realisierbar gemacht. Man arbeitete daher nun mit einem Trick: Vor die Aufnahmekamera wurde eine spezielle Linse (ein Anamophot) montiert, welche das Bild horizontal gestaucht aufzeichnete. Schnitt und Vervielfältigung gingen den gleichen Weg wie das bisherige Standartfilmmaterial, aber im Kino wurde vor den Projektor nun ebenfalls ein Anamophot gefahren, welche das Bild wieder in die Breite zog. Der Vorhang ging weiter auf und das Bild wurde bei gleicher Höhe wesentlich breiter. Vergleichbar ist das Prinzip heute mit unseren anamorph aufgezeichneten DVDs. Somit erhielt der "Widescreen" weltweit Einzug in die Kinos und blieb uns mit derselben Technik, des Anamorphoten, bis heute erhalten. Soviel zu einem kleinen Ausflug in die Geschichte der großen bewegten Bilder. Das gleiche Prinzip haben wir in unserem anspruchsvollen Projekt angewandt. Zuerst wird das 21:9 Bild mittels eines Scalers, in diesem Fall der DVDO VP50, neu berechnet und auf die volle Panelhöhe gezogen. Auf der Leinwand verschwinden die schwarzen Balken, aber das Bild ist verzerrt mit „Eierköpfen“ in einer Bildbreite von 2,29 m sichtbar. Dann wird als nächstes ein Anamorphot, hier die wohl beste Optik auf dem Markt, eine Isco III, vor die Optik des Projektors geschoben und das Bild geht in die Breite. Das Bild hat nun wieder das richtige Format. 21:9 in 3m Bildbreite! Die Isco III ist auf einem speziellen Gleitschlitten montiert, welchen wir hier selbst bauten, sodass er von Hand leicht zur Seite geschoben werden kann, sollte man einmal einen 16:9 Film sehen wollen. Am Scaler wird dann nur noch per Knopfdruck die Verzerrung über eine Speicherbank abgeschaltet. Die Bildhöhe ändert sich nicht, sondern nur die Breite. Wie im echten Kino. 16:9 entspricht in diesem Kino (2,29 m x 1.29 m) und 21:9 (3,00 m x 1,29 m). Somit nutzt man bei 16:9 und bei 21:9 Filmmaterial immer die volle Lichtstärke und Bildinformation des Projektors. Man hat eine wesentlich höhere Bilddichte, da ja keine Bildpixel verschwendet, oder größer gezoomt werden.
Ihr Team von JBS-Heimkino-Südwest Heimkinomacher Trier / Luxemburg
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